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Engagiert bis zum Limit

26. Aug.
3 Min. Lesezeit

„Kannst du das noch kurz übernehmen?“


Ein Satz, den wahrscheinlich viele Menschen im Ehrenamt kennen. Am Anfang ist es vielleicht wirklich nur eine kleine Aufgabe: den Newsletter verschicken, beim Sommerfest helfen oder eine Sitzung vorbereiten. Doch aus einer Aufgabe werden schnell mehrere. Aus „nur dieses eine Mal“ wird ein fester Bestandteil. Und irgendwann stellt man fest: Eigentlich hängt ziemlich viel an mir.















Warum auch Engagement Grenzen braucht


Ehrenamt funktioniert anders als Arbeit im klassischen Sinne. Menschen machen es nicht, weil es in ihrem Arbeitsvertrag steht. Sie machen es, weil ihnen etwas wichtig ist. Sie verbinden persönliche Werte, Beziehungen und Leidenschaft mit ihrem Engagement.


Genau das macht Ehrenamt so wertvoll.


Aber genau darin liegt auch eine Herausforderung. Wer sich stark mit einer Sache identifiziert, übernimmt häufig leichter zusätzliche Aufgaben. Nicht, weil jemand dazu gezwungen wird, sondern weil die eigene Motivation groß ist.


Typische Gedanken sind:

  • „Ich mache es lieber selbst, dann ist es erledigt.“

  • „Es findet sich sonst niemand.“

  • „Nur dieses eine Projekt noch.“

  • „Wenn ich jetzt gehe, lasse ich die anderen hängen.“


Das Problem ist nicht, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Das Problem entsteht, wenn Verantwortung dauerhaft an einzelnen Personen hängen bleibt.



Ehrenamt darf nicht von einzelnen Held:innen abhängen


In vielen Vereinen gibt es Menschen, ohne die bestimmte Dinge nicht funktionieren würden:

  • Die Person, die jede Veranstaltung organisiert

  • Die Person, die alle Kontakte kennt

  • Die Person, die jede Frage beantworten kann

  • Die Person, die immer einspringt


Diese Menschen sind unglaublich wertvoll. Natürlich braucht jeder Verein Menschen, die Verantwortung übernehmen. Menschen, die Ideen einbringen, Dinge anstoßen und dranbleiben. Aber ein Verein sollte nicht dauerhaft davon leben, dass einzelne Personen ihre eigenen Grenzen überschreiten. Denn so entsteht eine Abhängigkeit, die langfristig sowohl dem Verein als auch der einzelnen Person schaden.


Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: „Wie finden wir noch mehr Menschen, die mehr machen?“


Sondern: „Wie schaffen wir Strukturen, in denen Menschen gerne Verantwortung übernehmen können – ohne alles alleine tragen zu müssen?“


Bevor wir aber direkt nach Lösungen suchen, lohnt sich erstmal ein ehrlicher Blick auf die eigene Situation…



Der Ehrenamts-Balance-Check


Wir haben einen kleinen Check entwickelt, mit dem ihr euren eigenen Engagement-Alltag reflektieren könnt. Nehmt euch 10 Minuten und schaut ehrlich auf eure Aufgaben:


Meine Aufgaben

Was ist die Aufgabe?

Wie häufig mache ich sie?

Gibt sie mir Energie?

Kostet sie mich Energie?

Könnte jemand unterstützen?











Hier auch zum Download


Vielleicht hast du gemerkt: Dein Engagement passt gerade gut zu deinem Leben – oder vielleicht gibt es Bereiche, bei denen du genauer hinschauen möchtest.


Wichtig ist: Der Check soll keine Bewertung sein. Er soll sichtbar machen, was dir Energie gibt, was dich belastet und wo Veränderung möglich ist.


Denn nachhaltiges Engagement bedeutet nicht, immer mehr zu schaffen. Es bedeutet, eine Form des Engagements zu finden, die auch langfristig gut funktioniert.



Engagement braucht Balance – auch im Verein


Wenn wir über Engagement-Life-Balance sprechen, geht es nicht darum, weniger engagiert zu sein. Es geht auch nicht darum, jede Aufgabe sofort abzugeben.


Es geht darum, bewusster hinzuschauen:

  • Welche Aufgaben geben mir Energie?

  • Welche Aufgaben kosten mich dauerhaft Kraft?

  • Was mache ich nur, weil es sonst niemand macht?

  • Wo braucht es Unterstützung?

  • Welche Verantwortung hängt vielleicht schon zu lange an einer Person?


Vor diesen Hintergrund hat die Frage nach nachhaltigem Engagement zwei Seiten:


Auf der einen Seite steht die individuelle Ebene, auf dereren anderen die Verantwortung des Vereins. Genau diese beiden Perspektiven wollen wir in den nächsten Beiträgen genauer betrachten:

  • Was kann ich selbst tun, um mein Engagement so zu gestalten, dass es langfristig gut funktioniert?

  • Was können Vereine verändern, damit Engagement nicht auf wenigen Schultern ruht?


Wir halten fest


Ehrenamt lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Aber genau diese Menschen brauchen auch Bedingungen, in denen sie langfristig engagiert bleiben können.


Nachhaltiges Engagement bedeutet nicht, weniger zu machen. Es bedeutet, eine Form des Engagements zu finden, die auch morgen noch möglich ist. Denn ein starker Verein ist nicht der, in dem einzelne Menschen alles tragen.


Ein starker Verein ist der, in dem viele Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen können.



Bleib dran


Im nächsten Beitrag schauen wir auf die individuelle Ebene:


Wie finde ich eigentlich heraus, welche Rolle mein Engagement in meinem Leben spielen soll?


Es geht darum, die eigenen Grenzen besser wahrzunehmen, Warnzeichen zu erkennen und einen Umgang mit Engagement zu finden, der nicht zwischen „alles geben“ und „ganz aufhören“ wählen muss.

 
 
 

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