Einer für alle? Alle für den Verein!
Aktualisiert: 23. Sept.
Buongiorno und willkommen zurück!
Ich habe unser aktuelles Leadthema „Engagement-Life-Balance“ in der letzten Zeit offenbar etwas zu ernst genommen und mir drei Wochen Urlaub im Süden Italiens gegönnt: Sonne, gutes Essen, Meer und vor allem mal ein bisschen Abstand vom Alltagstrott.
Und während ich dort so saß, musste ich tatsächlich an unser Thema denken. Denn Balance ist nicht nur eine Frage davon, was wir selbst besser machen können. Manchmal braucht es auch ein Umfeld, das uns diese Balance überhaupt ermöglicht.
Und damit sind wir bei der dritten Perspektive unserer Reihe: dem Verein selbst.

Engegament-Life-Balance ist auch Vereinsfrage
In den letzten beiden Beiträgen haben wir uns damit beschäftigt, warum Engagement manchmal zu viel wird und was wir selbst tun können, um bewusster mit unserer Zeit und Energie umzugehen. Aber selbst wer gut Nein sagen kann und seine Grenzen kennt, kommt irgendwann an einen Punkt, an dem die Strukturen des Vereins entscheidend werden.
Denn was passiert, wenn eine Person seit zehn Jahren die Mitgliederverwaltung macht? Wenn nur eine Person weiß, wie die Website funktioniert? Wenn immer dieselbe Person das Sommerfest organisiert und nebenbei noch alle neuen Menschen einarbeitet? Dann ist das Problem nicht unbedingt, dass diese Person sich schlecht organisiert. Vielleicht ist das Problem, dass der Verein zu viel von ihr abhängig macht.
Wenn eine Person zum Vereinssystem wird
Solche Situationen entstehen meistens nicht absichtlich. Im Gegenteil: Oft beginnt alles ganz harmlos. Jemand übernimmt eine Aufgabe, weil sie oder er sich damit auskennt. Die Aufgabe wird gut erledigt. Alle sind erleichtert. Beim nächsten Mal macht es wieder dieselbe Person. Irgendwann weiß niemand mehr so genau, wie es eigentlich anders funktionieren könnte.
Und das ist bequem! Zumindest für eine Weile…
Denn wenn Wissen, Kontakte und Verantwortung immer bei denselben Menschen liegen, wird aus Engagement schnell Unersetzbarkeit. Und Unersetzbarkeit ist für einen Verein genauso problematisch wie für die Person, die sie trägt.
Wenn diese Person irgendwann keine Zeit mehr hat, krank ist oder einfach keine Lust mehr auf die Aufgabe hat, steht plötzlich die ganze Struktur auf dem Prüfstand.
Verantwortung teilen heißt nicht, alles gemeinsam machen
Die Lösung ist dabei nicht, dass plötzlich alle alles machen müssen. Das wäre wahrscheinlich der schnellste Weg zu noch mehr Chaos. Viel wichtiger ist, Verantwortung so zu verteilen, dass sie nicht dauerhaft an einzelnen Personen hängt.
Wer immer nur fragt „Wer übernimmt das komplett?“, landet schnell wieder bei den üblichen Verdächtigen.
Vielleicht ist die bessere Frage: „Was davon können wir auf mehrere Menschen verteilen?“
So wird aus persönlichem Engagement eine gemeinsame Verantwortung.
Ein Praxisguide: Strukturen für nachhaltiges Engagement
Die gute Nachricht: Für all das braucht es nicht unbedingt ein großes neues Vereinskonzept.
Oft reichen kleine Veränderungen. Eine Aufgabe wird im Tandem übernommen, statt dass nur eine Person sie kennt. Wichtiges Wissen wird an einem zentralen Ort festgehalten. Große Verantwortungsbereiche werden in kleinere Aufgaben aufgeteilt. Und Menschen bekommen unterschiedliche Möglichkeiten, sich einzubringen, statt direkt eine dauerhafte Rolle übernehmen zu müssen.
Damit ihr nicht bei null anfangen müsst, habe ich daraus ein kleines Handbuch entwickelt.
Handbuch für nachhaltiges Engagement
Darin findet ihr fünf konkrete Werkzeuge, mit denen ihr eure Vereinsstrukturen Schritt für Schritt engagementfreundlicher gestalten könnt. Zu jedem Werkzeug gibt es eine kurze Erklärung, warum es sinnvoll ist, konkrete Hinweise zur Umsetzung und eine Vorlage, die ihr direkt für euren Verein nutzen und anpassen könnt.
Ihr müsst dabei nicht alles auf einmal umsetzen. Sucht euch eine Aufgabe aus, bei der gerade besonders viel an einer Person hängt, und probiert einen der Ansätze aus.
Hier könnt ihr das Handbuch kostenlos herunterladen:
Und nochmal: Engagement darf unterschiedlich aussehen
Ein weiterer Punkt, den ich immer wieder anspreche, wird dabei oft unterschätzt: Nicht alle Menschen wollen oder können sich auf dieselbe Art engagieren. Die eine Person hat jede Woche Zeit, die nächste nur einmal im Monat. Jemand anderes übernimmt gerne ein konkretes Projekt.
All das kann wertvolles Engagement sein!
Je mehr unterschiedliche Formen möglich sind, desto weniger müssen Menschen in eine einzige Vorstellung davon passen, wie Ehrenamt aussehen soll. Mehr dazu könnt ihr auch hier nachlesen.
Und dann wäre da noch das Nein
Auch das habe ich im letzten Beitrag thematisiert: Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und Nein sagen zu können. Gleichzeitig können Vereine dazu beitragen, dass ein Nein überhaupt möglich ist.
Denn was passiert, wenn jemand sagt: „Ich kann das dieses Jahr nicht übernehmen.“ Wird dann gemeinsam nach einer Lösung gesucht? Oder entsteht sofort das Gefühl: „Aber wer soll es denn sonst machen?“
Eine gute Engagementkultur zeigt sich auch darin, dass ein Nein möglich ist, ohne dass Menschen das Gefühl bekommen, den Verein im Stich zu lassen.
Wir halten fest
Engagement-Life-Balance ist keine Einbahnstraße!
Menschen können lernen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und bewusster mit ihrer Zeit und Energie umzugehen. Gleichzeitig können Vereine Strukturen schaffen, die genau das unterstützen.
Denn langfristig bleibt Ehrenamt bestehen, wenn Verantwortung geteilt werden kann, unterschiedliche Formen des Mitmachens möglich sind und Menschen auch einmal sagen dürfen: „Das schaffe ich gerade nicht.“
Bleib dran
Damit endet unsere Reihe zum Thema Engagement-Life-Balance. Als Nächstes beschäftigen wir uns mit einer ganz anderen Frage:
Wer entscheidet hier eigentlich?
Zusammen schauen wir auf Machtstrukturen im Verein, darauf, wie Entscheidungen entstehen und warum Transparenz dabei eine wichtige Rolle spielt.





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