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Mitgliedermagnet: Ein Vereinskalender, der ins Leben passt

Junge Menschen haben keine Zeit fürs Ehrenamt? Nicht ganz. Unsere Studie zeigt: Das eigentliche Problem sind oft Strukturen, die nicht zu ihrem Alltag passen. Warum Flexibilität heute kein Bonus mehr ist, sondern eine Voraussetzung.




Willkommen zurück, alle zusammen! Das gilt für euch genauso wie für mich, denn ich war die letzten Wochen unterwegs und konnte euch deshalb nicht mit neuen Erkenntnissen und Einblicken versorgen. Larissa hat mich netterweise vertreten, während ich mit dem Roller durch Sri Lanka gedüst bin und mir die Sonne ins Gesicht habe scheinen lassen. Ehrlicherweise keine schlechte Alternative… Aber jetzt bin ich wieder da und damit auch meine zweiwöchigen Blogbeiträge.


Also, wo waren wir stehen geblieben?




Was bisher geschah …


In den letzten Beiträgen haben wir festgestellt: Junge Menschen haben Bock, sich zu engagieren. Es scheitert nicht, wie oft behauptet wird, an mangelnder Motivation oder fehlendem Interesse. Im Gegenteil: Viele junge Menschen engagieren sich bereits, viele weitere haben grundsätzlich Lust darauf. Außerdem haben wir darüber gesprochen, warum Vereine sichtbarer und klarer kommunizieren müssen und weshalb ein niedrigschwelliger Einstieg entscheidend ist. Denn selbst die beste Organisation bringt wenig, wenn junge Menschen euch nicht finden oder das Gefühl haben, sich direkt für die nächsten fünf Jahre verpflichten zu müssen.


Heute geht es um die nächste Hürde. Und die beginnt häufig erst dann, wenn junge Menschen bereits Teil des Vereins geworden sind.




Wenn Engagement zum zweiten Vollzeitjob wird


Eine der deutlichsten Erkenntnisse unserer Studie war, dass junge Menschen ihr Engagement häufig mit ihrem Alltag koordinieren müssen. Das klingt erstmal banal, hat aber enorme Auswirkungen.


  • 63,6 % der Engagierten berichten von Schwierigkeiten, Engagement und Alltag miteinander zu vereinbaren

  • 74 % wünschen sich mehr Flexibilität

  • mehr als 50 % nennt Zeitmangel oder Zeitmanagement als Herausforderung


Mich überrascht das ehrlich gesagt wenig. Wer heute zwischen Studium, Ausbildung, Berufseinstieg, Nebenjob, Freundeskreis, Familie und vielleicht sogar einem Umzug jongliert, lebt nun mal in einer völlig anderen Realität als viele Vereine, die vor Jahrzehnten gegründet wurden. Und genau hier entsteht häufig ein Konflikt: Denn viele Vereinsstrukturen gehen noch immer davon aus, dass Menschen dauerhaft gleich viel Zeit haben. Dass sie jede Woche am selben Ort sind und am gleichen Termin teilnehmen können. Dass sie kontinuierlich verfügbar sind. Dass Engagement immer die gleiche Priorität hat.


Aber glaubt mir, wenn ich euch sage: die Realität junger Menschen sieht häufig anders aus. Ich bin selbst Mitte 20, pendle regelmäßig zwischen verschiedenen Städten oder sogar Ländern, verbringe gerne und viel Zeit mit Freund:innen, habe einen Job und mehrere Hobbys. Ich verstehe nur zu gut, wie schwer es ist, all das schon in Einklang miteinander zu bringen. Ein Ehrenamt dort noch unterzubringen, fühlt sich manchmal wie ein Ding der Unmöglichkeit an.




Das Leben passiert nicht nach Vereinskalender


Prüfungsphase. Praktikum. Neue Beziehung. Umzug. Masterarbeit. Berufseinstieg.

Junge Menschen wechseln heute deutlich häufiger zwischen verschiedenen Lebensphasen als frühere Generationen. Mal ist viel Zeit da, mal fast gar keine. Mal möchte man sich intensiv einbringen, mal reicht die Energie gerade nur für das Nötigste.


Das bedeutet nicht, dass jemand weniger motiviert ist. Es bedeutet lediglich, dass Verfügbarkeit schwankt. Und genau hier stoßen viele Vereine an ihre Grenzen. Denn häufig wird Engagement noch nach dem Prinzip organisiert: Entweder du bist dabei oder eben nicht.


Dabei liegt die eigentliche Chance genau dazwischen.




Flexibilität bedeutet nicht Beliebigkeit


Das ist dann meistens der Punkt, wo folgender Einwand kommt:


"Wenn jeder nur kommt, wann er möchte, funktioniert doch gar nichts mehr."


Und natürlich braucht Engagement Verlässlichkeit. Aber Verlässlichkeit und Flexibilität schließen sich nicht gegenseitig aus. Die spannendere Frage lautet vielmehr: Wie können wir Verlässlichkeit schaffen, ohne von allen Menschen jederzeit die gleiche Verfügbarkeit zu erwarten?


Vielleicht hilft hier ein anderer Blick auf den Vereinskalender. In vielen Vereinen besteht dieser vor allem aus Terminen: Vorstandssitzung, Arbeitskreis, Planungstreffen, Mitgliederversammlung. Wer engagiert sein möchte, muss anwesend sein. Wer einen Termin verpasst, hat schnell das Gefühl, nicht mehr richtig dabei zu sein.

Ehrenamt 2.0 Tipps
Ehrenamt 2.0 Tipps

Was wäre aber, wenn der Vereinskalender nicht nur Termine, sondern auch Aufgaben sichtbar machen würde? Wenn dort nicht nur stünde, wann ein Treffen stattfindet, sondern auch welche Aufgaben gerade anstehen, wer sie übernimmt und bis wann sie erledigt werden sollen?


Genau so arbeiten viele junge Organisationen bereits heute und zwar mit digitalen Aufgabenboards und transparenten Projektplänen, in denen genau das sichtbar ist. So können Mitglieder aus Aufgabenlisten je nach Kapazität Aufgaben übernehmen ohne sich zu überfordern oder überlasten. Gleichzeitig werden Verantwortlichkeiten nicht mehr ausschließlich an einzelne Personen gebunden. Stattdessen arbeiten viele Organisationen mit Tandems oder projektbezogenen Teams. Fällt jemand aufgrund einer Prüfungsphase, eines Praktikums oder eines Umzugs vorübergehend aus, bleibt das Wissen im Team erhalten und die Arbeit kann trotzdem weitergehen.


Dadurch wird Engagement nicht unverbindlicher. Es wird lebensrealistischer.




Gute Strukturen entlasten Menschen



Auch die Interviews, die ich im Zuge unserer Studie geführt habe, spiegeln das wider. Die erfolgreichsten Organisationen waren nicht die mit den motiviertesten oder gar meisten Menschen. Sie waren die mit den besten Strukturen.


Dort wussten die Engagierten, welche Aufgaben anstehen, wer wofür zuständig ist und wie Informationen weitergegeben werden. Das Ziel war dort nicht, dass alle ständig alles im Kopf behalten müssen. Niemand musste sich schuldig fühlen, wenn das Leben gerade Vorrang hatte.


Genau das macht flexible Strukturen so wertvoll. Sie entlasten nicht nur die einzelnen Engagierten. Sie machen die gesamte Organisation widerstandsfähiger.





Wir halten fest


Junge Menschen müssen ihr Leben nicht um den Verein herum organisieren. Erfolgreiche Vereine organisieren ihr Engagement so, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen passt.


Flexibilität bedeutet dabei nicht weniger Verbindlichkeit. Sie bedeutet, Verbindlichkeit neu zu denken. Denn Menschen bleiben nicht dort engagiert, wo sie dauerhaft gegen ihre Lebensrealität arbeiten müssen. Sie bleiben dort, wo Engagement auch dann möglich ist, wenn das Leben gerade kompliziert wird.




Bleib dran


Im nächsten Beitrag schauen wir uns einen letzten zentralen Faktor an, der darüber entscheidet, ob junge Menschen langfristig bleiben: Verantwortung.


Denn überraschenderweise schreckt Verantwortung junge Menschen nicht ab. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall.




Du willst mehr wissen?


Dann findest du hier unsere ganze Studie kompakt zusammen gefasst!





 
 
 

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